Werkrealschule in Balingen zum Schuljahr 2010/11
23.11.09 Gemeinderatssitzung vom 17.11.2009 Neue Werkrealschule wird in Balingen zum Schuljahr 2010/2011 eingeführt. Es wird eine neue Werkrealschule Balingen Süd mit der Stammschule Frommern aus den Hauptschulen Weilstetten und Frommern und eine neue Werkrealschule Balingen Mitte / Nord mit der Stammschule Sichelschule aus den Hauptschulen Engstlatt, Längenfeld und Sichelschule gebildet.
Topthema in der Gemeinderatssitzung am 17. November 2009 war die Einführung von Werkrealschulen neuen Typs in Balingen.
1. Grundsatzbeschluss: Die Werkrealschule neuen Typs soll zum Schuljahr 2010/2011 grundsätzlich in Balingen eingeführt werden.
Diesen Beschluss fasste der Gemeinderat mit 29Ja-Stimmen bei 9 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen.
Die FDP-Stadträte stimmten für diesen Grundsatzbeschluss.
FDP-Fraktionssprecher Dr. Dietmar Foth begründete hierzu die FDP-Position: „Es geht hier nicht um Landespolitik, sondern wir müssen im Interesse unserer Balinger Schülerinnen und Schüler gemeinsam eine tragfähige Lösung finden. Nach intensiver Befassung mit der Thematik sagen wir, die Mitglieder der FDP-Fraktion, ein klares Ja zur Einführung der Werkrealschule neuen Typs in Balingen, und zwar sofort zum nächsten Schuljahr. Wir sind der Überzeugung, dass dies die beste Lösung für die Schülerinnen und Schüler ist.
Dafür spricht, dass alle Schulleiter, alle Lehrerkonferenzen, teils einstimmig, jedenfalls mit großer Mehrheit (Ausnahme nur Engstlatt, das ist ein Sonderfall, dazu später) und alle Schulkonferenzen – nur in Frommern gab es ein Patt, da die neuen Elternvertreter sich noch nicht mit der Materie hinreichend befassen konnten – sich für die baldmöglichste Einführung ausgesprochen haben. Das Urteil dieser Fachleute ist für uns von maßgebender Bedeutung.
Die neue Werkrealschule bietet mehr Bildungsoptionen und eine noch intensivere Förderung und Berufsvorbereitung – Herr Ziemen hat dies überzeugend dargelegt, ich wiederhole dies nicht im Einzelnen. Und wenn im Land weitere Reformen zur Optimierung kommen werden, werden diese auf der neuen Werkrealschule aufbauen. Auch deshalb müssen wir dabei sein.
Die Zeit ist reif für eine Entscheidung. Wir haben dies jetzt intensiv diskutiert und informiert. Bei einem Aufschub sind keine neuen Argumente zu erwarten. Und eine Entscheidung jetzt sorgt für Befriedung: Schulen, Eltern und Schüler sind aufgewühlt, ein heftiger Konkurrenzkampf der Standorte ist entbrannt. Diese engagierte Diskussion war richtig und wichtig. Aber es ist gut, jetzt einen Endpunkt z u setzen – damit wir uns wieder gemeinsam der Bildung und Erziehung widmen können.
Eine unangenehme Folge, die weh tut ist, dass dies das Ende der Hauptschule in Engstlatt bedeuten wird. Dies ist schade um diese Schule, für die ich persönlich mich immer sehr eingesetzt habe. Aber wir müssen den Realitäten ins Auge sehen. Die Entwicklung der Schülerzahlen lassen einen Fortbestand nicht zu. Daran würde auch der Antrag der Freien Wähler nichts ändern.
Eines ist uns, der FDP, für Engstlatt aber sehr wichtig: Wir wollen eine Übergangslösung, d. h. alle Hauptschüler, die jetzt in Engstlatt sind, sollen dort, wenn sie wollen, die Hauptschule beenden können. Es soll „nur“ keine Neuaufnahme mehr stattfinden. Dieses, unser Anliegen, ist in bereits vorliegende spätere Anträge eingeflossen.
Die Sachargumente sprechen für ein ja: Einführung der neuen Werkrealschule jetzt.“
2. Beschlüsse zur Werkrealschule Süd
a) Antrag Kurt Haigis / Ortschaftsrat Weilstetten: Die bestehende Haupt- und Werkrealschule Weilstetten wird als Werkrealschule beantragt und im Verbund mit der bestehenden Grundschule im Sinne des § 6 (3) Schulgesetz Baden-Württemberg geführt.
Dieser Antrag wurde bei 5 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen abgelehnt.
b) Antrag der Freien Wähler / Ortschaftsrat Frommern (identisch):
Der Änderung der bestehenden Hauptschulen in Frommern und Weilstetten ab dem Schuljahr 2010/2011 zur Werkrealschule neuen Typs für den Stadtbereich Balingen Süd wird zugestimmt.
Für die Werkrealschule Süd wird die seitherige GHWRS Frommern zur Stammschule erklärt, mit einer Außenstelle an der GHWRS Weilstetten. Die Klassenstufen 5 bis 7 sollen durchgängig mindestens einzügig sowohl an der Stammschule Frommern wie auch an der Außenstelle Weilstetten geführt werden., sofern die hierfür notwendige Schülerzahl pro Jahrgangsstufe gegeben ist. Die Klassenstufen 8 – 10 werden zweizügig an der Stammschule geführt.
Dieser Antrag wurde mit 24 Ja-Stimmen bei 12 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen angenommen.
Die 6 FDP-Stadträte haben mit ja gestimmt.
FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Dietmar Foth begründete den Standpunkt der Fraktionsmitglieder: „Wir stimmen dem Vorschlag des Ortschaftsrats Frommern und der Freien Wähler zu. Darüber, dass Frommern Stammschule werden sollte, sind sich alle ,die Schulleiter. Lehrerkonferenzen und Schulkonferenzen einig. Wir, die Mitglieder der FDP-Fraktion, hätten gerne alle weitere Ausgestaltung, insbesondere die Frage vertikale oder horizontale Teilung, den Schulleitungen und Lehrkörpern überlassen. Dort sitzt die Kompetenz für diese Fragen. Wir werden diesbezüglich jedoch keine weiteren, eigenen Anträge stellen. Es geht uns darum, heute tragfähige Mehrheiten zu finden. Aus pädagogischer Sicht ist es empfehlenswert, die Klassen 8 bis 10 zweizügig am Sitz der Stammschule zu führen und nur die Klassen 5 bis 7 vertikal zu teilen. Deshalb können wir dieser Lösung zustimmen.“
3. Beschlüsse zur Werkrealschule Mitte / Nord:
a) Antrag der Freien Wähler:
Die bestehende einzügige Werkrealschule Sichelschule wird als gebundene Ganztagesschule fortgeführt (WRS alten Typs).
Die Änderung der anderen bestehenden Hauptschulen mit Werkrealschule in Balingen (Längenfeldschule) in Balingen (Längenfeldschule) und Engstlatt ab dem Schuljahr 2010/2011 in eine Werkrealschule neuen Typs für die Stadtbereiche Balingen Mitte/Nord wird zugestimmt.
Für die neue Werkrealschule Balingen Mitte/Nord wird die seitherige Längenfeldschule Balingen zur Stammschule erklärt, mit einer Außenstelle an der Langwisenschule Engstlatt.
Die Klassenstufen 5 bis 7 sollen durchgängig mindestens einzügig sowohl an der Stammschule Längenfeldschule wie an der Außenstelle Langwiesenschule geführt werden, sofern die hierfür notwendige Schülerzahl pro Jahrgangsstufe gegeben ist. Die Klassenstufen 8 – 10 werden zweizügig an der Stammschule geführt.
Dieser Antrag wurde abgelehnt bei 9 Ja-Stimmen, 31-Nein-Stimmen und 1 Enthaltung.
FDP-Stadtrat Dr. Paul Pick stimmte für den Antrag, die anderen 5 FDP-Stadträte gegen diesen Antrag.
b) Antrag der CDU-Fraktion:
Der Änderung der bestehenden Hauptschulen mit Werkrealschulen in Balingen (Sichelschule und Längenfeldschule) und Engstlatt ab dem Schuljahr 2010/2011 mit einer Werkrealschule neuen Typs für den Stadtbereich Mitte/Nord wird zugestimmt.
Für die neue Werkrealschule Balingen Mitte/Nord wird die Sichelschule zur Stammschule erklärt, mit einer Außenstelle an der Längenfeldschule Balingen. Die Klassenstufen 5 bis 7 sollen durchgängig mindestens einzügig sowohl an der Stammschule Sichelschule wie auch an der Außenstelle Längenfeldschule Balingen geführt werden, sofern die hierfür notwendige Schülerzahl pro Jahrgangsstufe gegeben ist. Die Klassenstufen 8 – 10 werden zweizügig an der Stammschule geführt.
Die jetzigen Schüler der Hauptschule in Engstlatt können dort noch bis zum Abschluss der 9. Klasse verbleiben, sofern die einzelnen Klassenstufen die Voraussetzungen für die Einzügigkeit erfüllen. Eine neue klasse 5 wird nicht mehr gebildet.
Dieser Antrag wurde mit 23 Ja-Stimmen bei 16 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen angenommen.
Alle FDP-Stadträte stimmten für diesen Antrag.
FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Dietmar Foth führte zu diesem Punkt aus und begründete die Entscheidung:
„Wir, die Mitglieder der FDP-Fraktion, lehnen den Antrag der Freien Wähler ab. Wir waren von ihm zwar zunächst durchaus angetan. Nach näherer Prüfung trägt er aber nicht. Ihm fehlt die Klarheit und die Perspektive. Und er ist mit hohen Risiken verbunden. Engstlatt hat zu geringe Schülerzahlen. Der Bestand von Engstlatt wird dadurch nicht gesichert, dafür wird der Bestand der Sichelschule als Werkrealschule gefährdet. Und die Schülerzahlen von Längenfeldschule und Engstlatt sind zu unterschiedlich.
Der Vorschlag der Freien Wähler weicht der Entscheidung aus, wer - Längenfeldschule oder Sichelschule - Stammschule werden soll. Dies hat ja Herr Jessen auch als Motiv eingeräumt. Diese Entscheidung müssen wir aber für eine klare Weichenstellung in die Zukunft treffen. Da müssen wir Farbe bekennen. Und es ist die schwierigste Frage. Das Aus für Engstlatt, das ist eine unangenehme Entscheidung, ob Längenfeldschule oder Sichelschule Stammschule sein soll, ist die schwierigste Entscheidung. Denn zahlreiche Sachargumente sprechen für die Längenfeldschule - sie wurden von der Verwaltung alle genannt -, zahlreiche für die Sichelschule. Es ist eine Abwägung, eine knappe Entscheidung. Wir sprechen uns letztlich für die Sichelschule aus. Den Ausschlag bei der Abwägung gaben schließlich:
● die räumliche Lösung. Sei spricht für die Sichelschule; dort ist eine Zweizügigkeit der Klassen 8 bis 10 eher möglich, die alle Pädagogen ürü die beste Lösung halten;
● das Angebot der gebundenen Ganztagesschule, an der Sichelschule etabliert, muss jedenfalls im Sinne der Vielfalt der Angebote in Balingen erhalten bleiben;
● die „behütete Atmosphäre“ des traditionellen Schulgebäudes, das für die Hauptschule uns besonders wichtig erscheint.
Wir, die FDP-Fraktion, hätten uns auch hier vorstellen können, nur die Festlegung der Stammschule zu treffen und die Frage der vertikalen und horizontalen Teilung der Schulleitung und den Lehrerkollegien zu überlassen. Wir wollen jedoch, wie schon gesagt, Mehrheiten erreichen. Eine vertikale Teilung in Klassen 5 bis 7 zwischen den Standorten und Zweizügigkeit der Klassen 8 bis 10 am Sitz der Stammschule gibt aus fachlicher Sicht jedoch Sinn. Deshalb schließen wir uns dem CDU-Antrag ausdrücklich an.
Es wird dadurch gewährleistet, dass weiterhin die Möglichkeit der gebundenen Ganztagsschule (wie bisher Sichelschule) und der offenen Form nach IZZB (wie bisher Längenfeldschule) in Balingen Mitte angeboten werden kann. Und der von uns gewünschte „Auslaufschutz“ für Engstlatt ist auch berücksichtigt.“

